"Der Pavillon". ... Man muss dieses Buch sehr genau lesen, um zu erkennen, wie sehr es von Anspielungen durchzogen ist und wie dicht die verschiedenen Motivketten ineinander verwoben sind. Die Bienen, als ein Beispiel von vielen, verweisen einerseits auf Mohammed, der den Gläubigen empfahl, Honig zu essen, der bei 40 verschiedenen Leiden als Heilmittel dient, andererseits ist er Zeichen für. wirtschaftlichen Aufschwung. Hamits Bruder Hamdi ist dabei, die Honigproduktion anatolienweit zu vernetzen.
Şenocak hat sich große Mühe gegeben, die osmanische Kultur einerseits als Sehnsuchtsobjekt glaubhaft zu machen, und das ohne jeden Funken von Nostalgie - im Gegenteil, er erspart weder seinem Helden noch seinen Lesern eine präzise Bestandsaufnahme von deren Defiziten und Schattenseiten - und andererseits seine Bindung an bestimmte Aspekte der europäischen Kultur zu betonen. Die Irritationen, die dabei entstehen, werden in komplexe Bilder integriert, die zu lesen nicht immer einfach ist. Man braucht Geduld für dieses Buch, Geduld, die sich jedoch lohnt. „Die Menschen leiden immer unter Zeitknappheit", heißt es in einer Reflexion des Geigers Semih, „wobei sie eigentlich nur knapp an Einsicht sind - so dass sie vieler Zeit bedürfen."
Barbara Frischmuth in "Die Presse" Wien Januar 2010
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| Die Geschichten von Jorgos VALASIADIS sind äusserst unterhaltsam, aber das ist nicht alles: Bei aller Alltäglichkeit der Darstellung des Lebens mit der Oma, dem Onkel etc. schimmert doch immer eine andere Realität durch die Erzählungen hindurch. Die vordergründig listigen und lustigen Erzählungen erweisen sich als Parabeln des menschlichen Lebens.
Leserrezension auf Amazon
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.. Metin Kaçans Roman "Haselnuss 8", bei dessen Lektüre mir auch der Roman "Angst und Schrecken in Las Vegas" von Hunter S. Thompson (1971) in den Sinn kam, ein rücksichtsloser Psychodrogen-Trip wildgewordener Autofahrer und ein Kult-Buch jener Nach-Hippie-Ära, in der Rausch und Unterwegssein jede politische Konnotation verloren hatte und das sanfte Kiffertum längst dem suizidalen Horrortrip gewalttätiger, paranoider Multitoxikomanen gewichen war. Meto, der Held dieses Romans ist so ein Multitoxikoman, und er fährt einen achtzylindrigen Amischlitten durch ein drogensumpfiges Istanbul, in dem nach durchzechter Nacht die Sonne stechend und nachts die Lichter allzu grell sind. Er fabuliert mit dem Autor wilde Wortkaskaden zusammen, die zu intelligent sind, um als wirr abgetan zu werden, aber auch viel zu abgedreht, um tatsächlich eine Geschichte zu ergeben: Angst und Schrecken in Istanbul. Doch während Hunter S. Thompsons Authentizität fiktional ist, sind Metin Kaçan und sein Protagonist irgendwie eins, wobei nicht klar ist, wer wen erfindet. ... das Buch [ist] nicht mehr und nicht weniger als ein abgründiges Gesamtkunstwerk, das alle Konventionen der Erzählung, der Perspektive, sogar der Satztechnik schonungslos, ja gerade suizidal, über den Haufen rennt. Kein gutes Buch, aber eines, das vielleicht süchtig macht.
Michael Kegler, Neues Deutschland Oktober 2008
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Nalan Barbarosoglus "Silbernacht" ist keine leichte Lesekost. Nicht nur aufgrund des harten Inhalts. Auch in der Form mutet die 47-jährige Philosophin, die während ihres Studiums mit Kurzgeschichten begann und zunächst in der Werbebranche arbeitete, ihren Leserinnen einiges zu. Assoziativ und experimentell montiert sie ihre Sätze zu Episoden, deren roter Faden Gülnaz ist, die "die Männer tötet, die als Ehemänner, Väter oder Söhne mehrere Frauen getötet haben".
EMMA September/Oktober 2008
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Leseempfehlung in Brigitte Oktober 2008.
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... Heute mögen die Autorinnen in einem anderen Ton schreiben, von Grenzen erzählen aber auch sie: Nalan Barbarosoglu beispielsweise, deren Roman Silbernacht im Berliner Dagyeli Verlag veröffentlicht wird. Darin erzählt die 1961 geborene Schriftstellerin von der jungen Gülnaz, die zur Heirat gezwungen und zur Prostitution genötigt wird und zugleich zu Unrechtstaten verdammt ist. Auch Gülnaz sucht verzweifelt nach der eigenen Persönlichkeit.
Sibylle Thelen literaturblatt Baden-Württemberg 5/2008
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| Tanja Dückers, die sich intensiv mit dem Sujet Großstadt ebenso wie mit türkischer Kunst und Literatur befasst hat, interessiert sich speziell für die weibliche Perspektive des Romans. „Ich finde es mutig, dass Nalan Barbarosoglu sich traut, Kindesmissbrauch zu thematisieren“, sagt sie im Gespräch mit der BLK. Ihres Wissens wird das Buch in der Türkei weitgehend ignoriert. Angetan ist sie von der Sprache des von Helga Dagyeli-Bohne ins Deutsche übersetzten Romans: „Ich mag Barbarosoglus vorsichtige Art des Schreibens. Sie beschreibt Gewalt nicht effekthascherisch, sondern verzichtet dabei auf plakative, klischeehafte Adjektive. Ich finde ihren Stil unabgenutzt, originell und gleichzeitig elegant.“
Berliner Literaturkritik 3/2008
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Welche bedeutende Rolle den Karikaturen in der Geschichte der Türkei bis heute als Mittel der politischen Meinungsäußerung zukommt, ist in "Die Nase des Sultans" sehr kurzweilig auf türkisch und auf deutsch beschrieben. Die von den Herausgeberinnen Sabine Küper-Büsch und Nigar Rona versammelten Autorinnen und Autoren widmen sich etwa der Geschichte, der soziologischen Funktion und den künstlerischen Mitteln der türkischen Karikaturen und verlieren sich dabei nie im Duktus der Experten. Den stärksten Eindruck hinterlassen aber die Karikaturen selbst, die in großer Zahl die Texte illustrieren. Atemberaubend ist der Mut, der aus den Zeichnungen der legendären Satire-Zeitung "Girgir" hervorsticht. Diese wurde ein Jahr nach dem Militärputsch 1971 gegründet, in einer Zeit, in der Gewerkschaften und Parteien verboten waren, Bürgerrechte und Meinungsfreiheit extrem eingeschränkt und Oppositionelle in den Gefängnissen oder auf offener Straße ermordet wurden. Dieser Mut, die bestehenden Verhältnisse aus der verhältnismäßig wehrlosen Position des Karikaturisten anzugreifen, zeichnet auch die derzeit bestehenden Magazine aus, wie "Die Nase des Sultans" eindrucksvoll vermittelt.
Amnesty Journal Oktober 2008
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In Deutschland hat man viele Bilder von der Türkei im Kopf - Comics gehören nicht dazu. Doch Karikaturen haben eine mehr als 100 Jahre alte Tradition in der Türkei. Seit den achtziger Jahren erleben sie einen Boom in Zeitungen und Magazinen. Auf der Frankfurter Buchmesse zeigt das Gastland Türkei in gleich zwei Ausstellungen seine Lust an der Selbstironie.
Die Zerrissenheit des Landes zwischen alten Kräften und Modernisierern bietet den Zeichnern eine unerschöpfliche Fülle an Themen. Wie etwa die Landflucht und der wuchernde Wohnungsbau in Istanbul, die der Zeichner Tan Oral im Bild links persifliert hat.
Das Festhalten an Traditionen und die Öffnung für westliche Lebensformen spaltet die Gesellschaft nicht nur im Politischen, sondern auch im Privaten. Die veränderten Rollenbilder und Probleme, die in modernen türkischen Beziehungen auftreten, werden daher ebenfalls häufig zur Zielscheibe der Karikaturisten. So demontiert die beliebte Comic-Zeichnerin Piyale Madra mit großem Vergnügen türkische Patriarchen und zeigt, wie ein hochdekorierter General von seiner Frau geohrfeigt wird.
Zeit Online Oktober 2008
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| Fast kein Thema – von Staatsgründer Atatürk abgesehen – bleibt in den Karikaturen ausgeblendet: So wird der Streit um die Mohammed-Karikaturen ebenso karikiert, wie die Militäraktionen gegen die Kurden, die Al Kaida-Bombenanschläge von Istanbul oder die Attacken konservativer Kreise gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk. Und Regierungschef Erdogan kommt in den Bildern besonders vielgestaltig daher: als riesige Blut saugende Zecke, als Kamel oder als Frosch. So zeigt die Ausstellung, dass trotz Defiziten bei der Pressefreiheit die zeichnerische Satire wohl einiges mehr darf als andere publizistische Ausdrucksformen – und dass die Türkei und der dortige Islam humorvoller sind, als man bei uns oft denkt.
Wiener Zeitung November 2008
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Den in Istanbul lebenden Journalistinnen Sabine Küper-Busch und Nigar Rona gebührt das Verdienst, diese reiche Comic- und Satirelandschaft erstmals in einer umfangreichen Form einem deutschen Publikum vorzustellen. Mit erläuternden Texten. Und natürlich mit zahlreichen Bildern.
Taz Oktober 2008
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Die ethnischen Unterschiede sind in der Türkei größer als in Deutschland. Das ist einer der Gründe, warum sich das Land für viele überraschend für das Motto «Türkei – faszinierend farbig» auf der Frankfurter Buchmesse entschieden hat. Mit Wehmut erzählen Autoren wie Mario Levi «Istanbul war ein Märchen» (Suhrkamp) und Yorgos Valasiadis, ein waschechter Istanbuler Grieche, »Und über Tatavla fällt Schnee« (Dagyeli) über die fast gänzlich verschwundene Welt der Griechen, Juden, Armenier, Christen.
Kemal Calik Oktober 2008
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